Bewegung war für die indianischen Nationen ein lebensnotwendiger und daher selbstverständlicher Anteil ihres Lebens. Die Prärieindianer zogen regelmäßig von Ort zu Ort, dabei wurde fast immer gelaufen, Pferde waren zum Reiten nur für die Krieger vorgesehen, die den Stamm beschützen mussten. Um Kräuter zu sammeln, zu jagen und um Orte zu erkunden gingen die Indianer zu Fuß. Der Wettbewerb im Kampf und Waffengebrauch gehörte für Jungen und Mädchen zum Alltag. Spielerisch wurden sie damit auf ihr Leben als Erwachsene vorbereitet. Wer körperlich fit und flink war, hatte die größten Überlebenschancen.

Kinder in der westlichen Welt müssen diese Fitness nicht mehr haben, wenn sie überleben wollen. Obwohl Fitness und Sportlichkeit als Ideal angesehen werden, sind sie für viele Kinder aufgrund falscher Ernährung, mangelnder Bewegungs-möglichkeiten und langen Zeiten des Sitzens nicht erreichbar.

Dem Bewegungsmangel der Kinder setzten wir im Indianerlager den Aufenthalt in der freien Natur entgegen. Die Kinder machten Lauf- und Bewegungsspiele, sie tanzten, sie betätigten sich als Pfadfinder im Stadtteil und erkundeten den Bach im Naherholungsgebiet. Durch die Bewegung in der Natur, durch Spiele und Abenteuersequenzen konnten neue Freizeitmöglichkeiten in dem vordergründig zunächst unattraktiven Stadtteil aufgezeigt werden. Plätze und Orte wurden erkundet, die die Kinder vorher noch nie besucht hatten,
obwohl sie in diesem Stadtteil wohnten.




Die ganze Woche hatten die Stammesältesten die kleinen Krieger gewarnt; irgendwann wird er kommen! Der Kokopelli ist ein indianischer Spaßmacher und Musiker, er kommt an die Lagerfeuer und erzählt lustige und schaurige Geschichten. Wenn er aber geärgert wird, spielt er den vorwitzigen Indianerkindern Streiche.
Schon während der Nachtwanderung bekamen einige Indianerkinder Angst, hinter jedem Busch konnte er ja sitzen. Vielleicht lauerte er aber auch nur auf die Indianerkinder mit schlechtem Gewissen? Wer weiß; nicht alle hatten Angst.
Als alle wieder am Lagerfeuer saßen, war der Kokopelli gar nicht gekommen. Umsonst Angst gehabt?
Nein, plötzlich tönten leise Flötenklänge aus der Dunkelheit. Und dann sprang er hervor! Die Indianerkinder kreischten und schrien durcheinander, einige fingen sogar an zu
weinen! Die Aufregung legte sich aber schnell wieder, als klar wurde, dass es ein “gemieteter” Kokopelli war. Ein Vater hatte sich zusammen mit einer Gehilfin in den Büschen versteckt und alle erschreckt. Na, der hat was zu hören bekommen. Aber dann bekam er auch einen Becher Kinderpunsch. Der Indianerlagerfeuerabend war dann erstaunlich schnell beendet, denn die Aufregung hatte alle müde gemacht. Um 24 Uhr war Stille im großen Wigwam.

Kokopelli sei Dank!
   
 

compwerk.de 2003.10 * Indianerlager auf dem Gräselberg vom 14. bis 17. April 2003